Windkraft in Kusterdingen rechnet sich für Betreiber und die Gemeinde!

Am 12 Mai traf sich die Schwerpunktgruppe Gebäude und Energie mit Julian Klett,  dem Sachgebietsleiter Erneuerbare Energien der Stadtwerke Tübingen. In einer offenen Gesprächsrunde stellte er das Vorgehen in Sachen Windkraft der Stadtwerke vor. Es beschrieb seine grundsätzlich Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung von Windkraft und Solarenergie in Kusterdingen und Tübingen.

Strategie und Pläne der Stadtwerke Tübingen

Das Thema Windkraft hat für die Stadtwerke Tübingen eine zentrale Bedeutung bei der Erreichung der Klimaneutralität der Stadt Tübingen bis zum Jahr 2030. Es werden 3 Suchräume in Betracht gezogen. Am erfolgversprechendsten ist dabei der Suchraum auf der Gemarkung Kusterdingen. Derzeit läuft eine artenschutzrechtliche Untersuchung, die bis Ende 2022 abgeschlossen sein soll. Sollte dies erfolgreich sein, werden weitere Schritte, einschließlich der Information und Diskussion mit den Bürgern eingeleitet. Bis zur Realisierung ist mit einem Zeitraum von 5 Jahren zu rechnen. Julian Klett betont, dass die Stadtwerke derartige Anlagen nicht ohne mehrheitliche Zustimmung der Gemeinde bauen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Kusterdinger Flächen aber bereits heute von großen Investoren bewertet. Sollten diese einen Bau in Erwägung ziehen und entsprechende Verträge mit den Grundstückeigentümern abschließen, wird es für die Bürger und die Gemeinde schwierig, sich dagegen zu wehren.

Wirtschaftlichkeit und Vorteile für Kusterdingen

Eine intensive Diskussion ergab sich beim Thema der Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen in Kusterdingen. Hier betont Julian Klett, dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren geändert und verbessert hätten, sodass sich auch bei Standorten mit geringerem Windertrag gut rechnen. Für Kusterdingen ist bei einer 6 MW Anlage mit einem jährlichen Ertrag von 10-12 Mio kWh zu rechnen (Standorte mit optimalen Windverhältnissen erbringen 16-18 Mio kWh). Es ergeben sich nach heutigem Stand Erzeugungskosten von 6 – 8 ct. pro kWh. Der Marktpreis für Windkraft liegt seit vielen Monaten bei über 12 ct. (Nicht erst seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine).  Selbst wenn zu hoffen ist, dass dieser Preis im Sinne der Verbraucher wieder sinkt, würden sich Anlagen in Kusterdingen gut rechnen.

Die Gemeinde Kusterdingen würde bei Ansiedlung von Windkraft gleich mehrfach profitieren. Zum Ersten erhält die Standortkommune einen Anteil des erzeugten Strompreises. Weiterhin erhält die Gemeinde Gewerbesteuer – ebenso wie auch bei anderen Gewerbeansiedlungen. Obwohl die Stadtwerke eine Tochter der Stadt Tübingen ist, würde der größte Teil der Gewinne in Kusterdingen versteuert. Als dritte Einnahmequelle kommen Pachteinnahmen für den Grundstückseigentümer hinzu. Die Stadtwerke sind auch offen für eine finanzielle Beteiligung der Bürger z.B. über eine Bürgergenossenschaft.

Windkraft und Fotovoltaik

Eine intensive Diskussion ergab sich bei den landschaftlichen Aspekten und bei der Frage ob nicht bevorzugt Fotovoltaik ausgebaut werden sollte. Hier stellt Julian Klett klar, dass zukünftige beide Formen der erneuerbaren Energien nötig sind und stark ausgebaut werden müssen. Wind und Solar ergänzen sich optimal über die Jahres- und Tageszeiten. Windkraft hat dann die höchsten Erträge, wenn die Fotovoltaik geringe Erträge hat (Winter, Nachts, Bewölkte Tage). Um die Klimaneutralität in Baden-Württemberg zu erreichen ist ein massiver Ausbau, auch an windärmeren Standorten in der Nähe der Verbraucher erforderlich. In übrigen verfolgt die Landesregierung das Ziel, dass 2% der Landesfläche für erneuerbare Energien genutzt werden sollen.

Die Stadtwerke und die Schwerpunktgruppe vereinbaren zu diesem Thema in Kontakt zu bleiben und zu passenden Zeitpunkt auch die Bürger in die Diskussion einzubeziehen.

Zusammenfassung durch Josef Göppert, Sprecher der Agendagruppe “Klimaschutz Härten”

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2 thoughts on “Windkraft in Kusterdingen rechnet sich für Betreiber und die Gemeinde!

  1. Hier noch einige Zahlen, was für Kusterdingen finanziell rausspringen könnte:
    Nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) 2021 dürfen Betreiber von Windenergieanlagen bis zu je 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde an die Kommune vor Ort weiterreichen. Eine moderne Windanlage leistet 10 GWh (10.000.000kWh) was 20.000 Euro pro Jahr ergibt.
    Die Pacht ergibt etwa 50.000 Euro oder teilweise mehr pro Jahr. Falls das Land der Gemeinde gehört, hätte die Gemeinde insgesamt 70.000 Euro zusätzliche Einnahmen. Bei 3 Windrädern wären es 210.000 Euro pro Jahr. Ein ansehnlicher Betrag um zum Beispiel die Biotopvernetzung zu unterstützen.

  2. Durch die Gewerbesteuer Einnahmen könnte sich diese Zahl noch verdoppeln. Bei 7 cent Kosten, 12 cent Erlös und 11 Mio kWh ergeben sich beim Kusterdinger Hebesatz von 380 nochmals 73.150 € pro Windrad für die Gemeinde.

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