Sicherer Radverkehr zwischen Kusterdingen und Wankheim: Kritik der Lösungsvorschläge

Frau Starkloff vom Regierungspräsidium Tübingen hat in der Gemeinderatssitzung vom 22. Oktober 2025 die Auswertungen zum Modellprojekt „Sichere Radverkehrsverbindungen zwischen den Härten-Ortschaften“ vorgestellt. Ihre Präsentation ist im Ratsinformationssystem der Gemeinde veröffentlicht: https://kusterdingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/getfile.asp?id=949&type=do

Die vorgestellten Ergebnisse sind die Schlussfolgerungen des Regierungspräsidiums aus zwei Diskussionsrunden, die unter Mitwirkung des Verkehrsministeriums BW, des Regierungspräsidiums Tübingen, des Landratsamts Tübingen und des Bürgermeisters Soltau sowie eines Vertreters des Klimaschutz Härten stattgefunden haben. In erster Linie wurde die zu verbessernde Fahrbeziehung Kusterdingen-Wankheim diskutiert, die durch den Gemeinderat von Kusterdingen beim Landratsamt Tübingen beantragt wurde, um den Radverkehr sicherer zu machen. Dieser Antrag wurde vom Landratsamt im März 2024 abgelehnt.

Wir haben in unserer Mobilitätsgruppe, Klimaschutz Härten, die Vorstellungen des Regierungspräsidiums Tübingen eingehend diskutiert.

Mit Genugtuung haben wir zur Kenntnis genommen, dass das Regierungspräsidium die unbefriedigende Situation für den Radverkehr auf den Härten erkannt hat und intensiv nach Verbesserungen sucht. Dafür sind wir sehr dankbar.

Wir sind aber überzeugt, dass die vorgeschlagenen Lösungen der Situation nicht gerecht werden. Es ergibt sich kaum eine verbesserte Sicherheit für den Radverkehr und es fehlt ein überzeugender Ansatz, das Radfahren auf den Härten attraktiver zu machen. Wenn Kusterdingen als Modellkommune dienen soll, sollte unserer Meinung nach, eine Bemühung erkennbar sein, dass man die Mobilitätswende ernst nimmt und die Radfahrer gegenüber dem Autoverkehr besser stellt.

Wir vermissen eine klare Begründung, warum eine Fahrradstraße nördlich der B28, d.h. ab der Kreisstraße bis zum Teichacker, nicht möglich ist. Dies widerspiegelt wohl die Tatsache, dass in diesem Punkt die zweite Diskussionsrunde vom 22. Juli 2025 vertagt wurde. Dies geschah nicht zuletzt auf Bitten von Herrn Abele als Vertreter des Verkehrsministeriums. Er wies darauf hin, dass seine Behörde noch keine klare Vorstellung hat, wie das Konzept einer “ Fahrradstraße außerorts“ umgesetzt werden soll.

Im Folgenden fassen wir kurz die wichtigsten Bedenken zu den sechs angedachten Lösungen (I bis VI) des Regierungspräsidiums zusammen. Wir beschränken uns dabei auf die Fahrbeziehung Kusterdingen-Wankheim (Seiten 5 bis 16 in der Darstellung des Regierungspräsidiums), da die Sanierung dieser Wegstrecke vom Gemeinderat beantragt wurde.

I. Änderung der bisherigen Radverkehrsführung bzw. Anbringung von Fahrradwegweisern

Der Vorschlag, den Radverkehr über die Feldwege der Hohen Mark zu führen, ist eine unbefriedigende Lösung. Sie ignoriert die Tatsache, dass fast Tausend Fahrräder pro Woche den neu ausgebauten Waldweg in Richtung Lustnau/Tübingen nutzen (siehe https://klimaschutz-haerten.de/2025/viele-fahrraeder-auf-den-haerten-unterwegs/. Diese fahrradfreundliche Verbindung nach Tübingen ist dann nur über die gefährliche Autostraße erreichbar. Auch sind Radfahrende, die jetzt den Weg über die Hohe Mark wählen, mit dieser Strecke sehr unzufrieden, da sie häufig durch die landwirtschaftliche Nutzung verschmutzt und damit gefährlich ist. Zudem stellt das Kreuzen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf dieser schmalen Straße eine ernste Gefährdung dar. Zusätzlich werden damit Spaziergänger auf diesen Feldwegen durch Radfahrende bedrängt.

II. Markierung von Haifischzähnen

Der Vorschlag an der Kreuzung beim Jüdischen Friedhof Haifischzähne auf die Straßen zu malen ist sinnvoll, um die rechts vor links-Regelung zu verdeutlichen.

III. Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Gemeindeverbindungsstraße

Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h von der Kreisstraße bis zum Teichäcker ist unseres Erachtens eindeutig zu hoch. Die Daten zu den vom Landratsamt durchgeführten Geschwindigkeitsmessungen sind unklar: Wann wurde wo gemessen? Wie viele Fahrzeuge wurden erfasst? Wurden Fahrräder ignoriert? Warum wird die v85 am Sendemast von 41 km/h nicht berücksichtigt? (Als Erläuterung: Bei der Geschwindigkeit v85 handelt es sich um die Geschwindigkeit, die von 85% der erfassten Fahrzeuge nicht überschritten wird).

IV. Ausbau des benutzungspflichtigen Geh- und Radwegs

Die vorgeschlagene Verbreiterung des Rad- und Fußgänger-Bürgersteigs am Teichäcker ist mit hohen Kosten verbunden. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass eine Verbreiterung um die nur 20 cm fehlende Breite des Bürgersteigs (von 2.30 auf 2.50 Meter) im Gemeinderat angenommen wird. Auch aus ökologischer Sicht ist eine solche Baumaßnahme kaum gerechtfertigt. Die alternative Möglichkeit einen Radstreifen auf der Straße auszuweisen, scheitert an der Tatsache, dass die Straße nur 6.10 Meter breit ist, anstelle der geforderten 6.20 Meter. Wenn die Behörde nicht gewillt ist, eine Ausnahme zu erlauben (sei es beim Bürgersteig oder dem Radstreifen), dann ist wohl eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h eine gangbare Lösung.

V. Asphaltierung des Feldwegs und Anbringung von Fahrradwegweisern

Diese Maßnahme ist nur sinnvoll, wenn der gemeinsame Geh- und Radweg realisierbar ist. Die vorgesehene Asphaltierung kann wahrscheinlich durch einen befestigten Kiesweg ersetzt werden, was wesentlich preisgünstiger ist.

VI. Änderung der bisherigen Radverkehrsführung (Teichäcker)

Die Nutzung des Feldwegs durch Fahrräder vom Hundesportplatz direkt ins Dorfzentrum beeinträchtigt Fußgänger auf diesem beliebten Spazierweg. Dieser Feldweg ist für die Schüler keine Lösung, um gefahrlos zur Schule zu kommen. Er ist wesentlich weiter und führt durch das Dorfzentrum. Es ergibt sich keine Trennung der Verkehrsarten. Im Gegenteil, die gezielte Führung der Fahrräder über einen Spazierweg ergibt zusätzliches Konfliktpotential.

Wir hoffen in einer neuen Diskussionsrunde bessere Lösungen zu finden.

P.S. Die Bilder sind aus der Präsentation des Regierungspräsidiums entnommen und teilweise ergänzt (https://kusterdingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/getfile.asp?id=949&type=do)

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