Eine Veranstaltung der Gruppe Mobilität der Agendagruppe Klimaschutz Härten – Freitag, 13. März 2026, 16:00 bis ca. 18:00 Uhr
Am Freitag, den 13. März, lud die Gruppe Mobilität der Agendagruppe Klimaschutz Härten zu einer Radtour ein, um gemeinsam mit den Bürgermeisterkandidaten Jens Deichmann, Marc Roth, Gültekin Ates und Eser Turgut die Radinfrastruktur auf den Härten in Augenschein zu nehmen.
Die Tour begann um 16:00 Uhr am Café Miteinander in Wankheim und endete dort gegen 18:00 Uhr. Sie bot den Teilnehmenden die Gelegenheit, sowohl die landschaftlich reizvollen Abschnitte als auch die problematischen und teilweise gefährlichen Stellen des Radwegenetzes kennenzulernen und darüber ins Gespräch zu kommen.
Gerhart Ryffel begrüßte die Teilnehmenden, während Frank Pfeiffer und Martin Glora die Situation des Radverkehrs mit konkreten Hintergrundinformationen erläuterten. Neben den Kandidaten nahmen rund 40 radinteressierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter der Presse an der Rundfahrt teil.
Die Strecke führte zunächst von Wankheim über den gemeinsamen Fuß- und Radweg nach Mähringen. Dort wechselte die Gruppe auf die Straße und fuhr, vorbei an parkenden Autos, Richtung Ortsausgang nach Jettenburg. Anschließend ging es über den stark sanierungsbedürftigen Begleitweg entlang der Landstraße weiter nach Jettenburg.
Von Jettenburg führte die Tour über die schmale Verbindungsstraße nach Kusterdingen. Diese Strecke wird täglich von vielen Autofahrenden und Radpendlern genutzt, darunter auch von zahlreichen Kinder. Hier besteht aus Sicht der Teilnehmenden dringender Handlungsbedarf, um die Sicherheit zu verbessern.
Von Kusterdingen aus fuhr die Gruppe weiter über die Heerstraße in Richtung Funkturm und über den Jüdischen Friedhof zurück nach Wankheim.
Ein zentrales Problem, das während der Tour deutlich wurde, sind die schmalen Verbindungsstraßen zwischen den Teilorten. Diese sind häufig nur etwa vier Meter breit und dennoch für Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h freigegeben. Unter diesen Bedingungen ist ein gesetzeskonformes Überholen von Radfahrenden – mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand von zwei Metern – praktisch unmöglich. Messungen mit dem OpenBikeSensor zeigen, dass Radfahrende teilweise mit nur rund 40 Zentimetern Abstand und oft mit hoher Geschwindigkeit überholt werden. https://klimaschutz-haerten.de/2024/gefaehrdungsanalyse-fahrradverbindung-zwischen-wankheim-und-kusterdingen/
Diskutiert wurden außerdem die Schwierigkeiten bei der Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen, da diese oft nur bei klar nachweisbaren Gefahrenlagen oder Unfällen genehmigt werden. Als mögliche Lösung wurde das Konzept von Fahrradstraßen genannt, auf denen der Radverkehr Vorrang hat. Allerdings stoßen entsprechende Vorschläge häufig auf Widerstand übergeordneter Behörden.
Kritisch gesehen wurde auch die Praxis, Radfahrende auf Feld- oder Gehwege zu verlagern. Dies kann neue Risiken für Fußgängerinnen und Fußgänger – insbesondere für Kinder und ältere Menschen – schaffen. Als besonders problematische Abschnitte wurden unter anderem die Strecke Richtung Mähringen (zu schmaler gemeinsamer Fuß- und Radweg), die Brücke bei Jettenburg (gefährliche Einfädelspur auf die Straße) sowie die Verbindung zwischen Jettenburg und Kusterdingen benannt.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Verbindung nach Tübingen, insbesondere die sogenannte „Hohe Mark“ sowie die Heerstraße über den Funkturm. Diese wird von vielen Radfahrenden genutzt, darunter Schülerinnen und Schüler des Blaulach-Gymnasiums sowie Pendler in Richtung Industriegebiet. Auch hier wurde auf potenzielle Gefahren hingewiesen, insbesondere auch auf die sehr gefährliche Rechts-vor-Links Kreuzung am Jüdischen Friedhof.
Die Gespräche machten zudem deutlich, wie komplex die Zuständigkeiten zwischen Gemeinde, Landkreis und Regierungspräsidium sind und wie schwierig sich dadurch die Umsetzung von Verbesserungen für den Radverkehr gestaltet.
Als möglicher pragmatischer Ansatz wurde vorgeschlagen, zunächst zentrale Verkehrsverbindungen zu identifizieren und gezielt sicherer zu gestalten, statt zu versuchen, jede Nebenstrecke vollständig auszubauen. Für die Verbindung Wankheim–Kusterdingen könnte ein solcher Ansatz denkbar sein, würde jedoch die Probleme zwischen Jettenburg und Kusterdingen nicht lösen.
Schließlich wurde auch die Bedeutung von gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme im Straßenverkehr betont. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass Autos und Fahrräder aufgrund ihrer unterschiedlichen Gefährdungslage keine gleich starken Verkehrspartner sind.
Zum Abschluss wurde angeregt, regelmäßige Treffen zwischen Verwaltung und Vertreterinnen und Vertretern der Radfahrenden zu organisieren, um den Dialog zu stärken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen der Kandidaten:
Marc Roth
- Radfahrende müssten besonders geschützt werden, da sie im Straßenverkehr der schwächere Verkehrsteilnehmer seien.
- Es sollten zunächst zentrale Verkehrswege identifiziert und gezielt sicherer gestaltet werden. Nicht jede Strecke könne vollständig sicher ausgebaut werden, doch auch kleinere Maßnahmen könnten Gefahren deutlich reduzieren.
- Fahrradvorrangstraßen hält er für sinnvoll und regte an, die Strecke am Funkturm (Heerstaße) aufgrund des hohen Radverkehrs entsprechend auszuweisen.
- Außerdem plädierte er für einen regelmäßigen Austausch zwischen Verwaltung und Radfahrinteressierten.
Jens Deichmann
- Für die Route über den Funkturm sieht er für Autofahrende keinen nennenswerten Vorteil. Nach seiner Erfahrung sei man über den Kreisverkehr und die Kreisstraße gleich schnell am Ziel.
- Er betonte die Bedeutung von gegenseitigem Respekt im Straßenverkehr („Rücksicht macht Wege breiter“).
- Als Alternative zu generellen Tempolimits regte er bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung an, wie sie etwa in den Niederlanden üblich sind – etwa Fahrbahnverengungen oder Schwellen. Diese können von Radfahrenden umfahren werden und bremsen vor allem den Autoverkehr und machen die Strecke unattraktiv.
- Kein Problem sieht er darin, wenn Radfahrende nebeneinander fahren – vorausgesetzt, sie machen Platz, sobald ein Auto kommt.
Gültekin Ates
- Er stellte die Sicherheit von Schulwegen in den Mittelpunkt und forderte dafür schnelle, pragmatische Lösungen.
- Jeder der besuchten Abschnitte habe seine eigenen Herausforderungen.
- Für die Verbindung zwischen Wankheim und Kusterdingen hält er vorerst den Weg über die Felder für die bessere Lösung, zumindest solange keine bessere Alternative geschaffen wird.
- Besonders kritisch sieht er die Kurve zwischen Jettenburg und Kusterdingen, in der sich häufig Wasser sammelt und Schlaglöcher entstehen – eine Gefahr sowohl für Radfahrende als auch für Autofahrende.
Eser Turgut
- Da er in den vergangenen Jahren überwiegend mit dem Bus unterwegs gewesen sei, seien ihm viele der geschilderten Probleme bislang nicht bekannt gewesen.
- Die diskutierten Vorschläge hält er grundsätzlich für sinnvoll.
- Um Verbesserungen schneller zu erreichen, stellte er die Frage, ob man bei Zuständigkeitsfragen diese Dinge nicht eskalieren lassen muss. Also Behörden wie Regierungspräsidium oder Landratsamt in diesen Punkten zu widersprechen.

Der fünfte Kandidat, Carsten Göhner, konnte den Termin leider nicht wahrnehmen.