Am 8. Juni 2026 fand im Bürger- und Kulturhaus beim Klosterhof eine Veranstaltung der Gemeinde Kusterdingen statt. Im Mittelpunkt standen Vorträge von Ina Timm, einer freien Landschaftsarchitektin und Autorin aus Tübingen, sowie von Peter Bock, dem Inhaber der Rall Baumschulen in Eningen unter Achalm.
Frau Timm beleuchtete in ihrem Vortrag „Angepasste Gärten in Zeiten des Klimawandels“ die notwendigen Strategien zur Minderung der Klimafolgen im privaten Grün. Ein zentraler Aspekt ist die Schaffung von mehr Schatten durch Bäume, welche nicht nur das Haus kühlen – unter einem Baum kann es bis zu 15 Grad kühler sein – sondern auch signifikante Mengen CO2 speichern. Es wird deutlich, dass eine Reduzierung von Rasenflächen und versiegelten Bereichen zugunsten von Staudenbeeten unerlässlich ist. Ein weiteres Kernthema war die effektive Nutzung von Regenwasser, sei es durch Zisternen, Terrassierungen von Hängen oder eine angepasste Bewässerungspraxis, bei der Pflanzen selten, aber dafür tiefgründig gewässert werden, um die Wurzelbildung in tieferen Bodenschichten zu fördern. Von besonderer Bedeutung ist zudem das Prinzip der Mischpflanzung, bei der Tief- und Flachwurzler kombiniert werden, um eine gegenseitige Beschattung und eine effizientere Wassernutzung zu ermöglichen. Der Garten sollte zudem in Etagen gedacht werden – eine Kombination aus Bäumen, Sträuchern, Stauden und Blumenzwiebeln schafft Klimaresilienz.
Herr Bock ergänzte diese gestalterischen Grundsätze mit seinem Vortrag „Klimafeste Gehölze für den Hausgarten“, in dem er spezifische Pflanzenarten und -gruppen vorstellte, die sowohl trockenheits- und hitzeresistent sind als auch die Insektenvielfalt fördern. Ziel ist es, ein möglichst langes Blütenangebot von den frühen Wintermonaten bis in den Spätherbst zu gewährleisten. Dazu gehören Frühblüher für Insekten, Bäume und Sträucher für Struktur und Schatten, Sträucher mit langer Blütezeit und spätblühende Alternativen sowie Stauden, die sich in trocken-heißen Bereichen bewähren. Herr Bock betonte zudem die Effektivität von Mischpflanzungen in Staudenbeeten zur Reduktion des Pflegeaufwands.
Es wird deutlich, dass die Anpassung des Gartens an den Klimawandel eine Kombination aus strategischer Planung und bewusster Pflanzenauswahl erfordert. Die Vorträge zeigten auf, dass sowohl die Berücksichtigung von Wuchshöhen und Wurzelstrukturen als auch die Wahl klimaresilienter und insektenfreundlicher Arten entscheidend sind. Die Diskussion um die Nachbarschaftsgesetze bezüglich Baumpflanzungen sowie die Initiativen zur Nutzung alter Öltanks als Zisternen verdeutlichen, dass neben individuellen Maßnahmen auch kommunale Rahmenbedingungen und innovative Lösungen eine wichtige Rolle spielen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um Gärten nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch funktional und nachhaltig zu gestalten.
